Feuerwehr oder Brandstiftung?

screenshot: Facebook

Am 01.09. wird das geplante Streitgespräch zwischen Ahmad Mansour und Dr. Cihan Sinanoğlu in der Bürgerschaft in Bremen nachgeholt, organisiert vom Demokratiezentrum Land Bremen.

Ahmad Mansour ist medial bekannt und wird vom Forschungsministerium mit seinem Projekt Dis_Ident aktuell mit knapp 9 Mio € öffentlicher Fördermittel unterstützt. (Siehe „Trotz Kritik: Forschungsministerium fördert umstrittenes Projekt gegen Antisemitismus“ – hier zum Artikel dazu von correctiv.org (Link)).

Mansour ist in seinen politischen Positionen hoch umstritten.

Allein der Grund für die Absage des Streitgesprächs im Frühjahr spricht für sich: Mansour wurde als Festredner der Laudatio für die Verleihung des Leo-Baeck-Preises vom Zentralrat der Juden an Dieter Nuhr gesetzt.

Das ordnet Marc Raschke auf seinem Profil bei Linked.in wie folgt ein:

‚Dass Dieter Nuhr den Leo-Baeck-Preis vom Zentralrat der Juden erhält, sehe ich immer noch als verspäteten April-Scherz. Nuhr, der in jüngster Vergangenheit etwa einen Shitstorm gegen sich tatsächlich mit einem Pogrom verglich. Der in seinem Jahresrückblick 2025 linke Aktivisten und Nazis auf eine Stufe stellte, wenn es gegen Juden gehe (was einer Verharmlosung der Nazi-Zeit gleichkommt). Der antisemitische Codes nutzt, wenn er auf einer rechten Konferenz 2022 sagt: „Und man hat das Gefühl, dass hier eben eine machtvolle kleine Elite versucht zu steuern gegen einen Großteil der Bevölkerung.“

Aber, wenn ich sehe, wer die Laudatio hält, wird klar, woher der Wind weht:

Ahmad Mansour, der Liebslings-Islam-Kritiker der CDU, ist in der Vergangenheit durch dubiose Skandale aufgefallen. So gehört er zu den Mit-Initiatoren des rechtsradikalen ThinkTanks Republik21, der die Zusammenarbeit zwischen #CDU und A*D vorbereitet.

In dieser „feinen Gesellschaft“ also wird dann jetzt der höchste Preis des Zentralrats der Juden an Dieter Nuhr vergeben. …‘

(Position Marc Raschke, LinkedIn)

Mansours Einschätzung, dass der in Deutschland feststellbare Antisemitismus vor allem eine Ursache in der muslimischen Zuwanderung habe und damit quasi ‚importiert‘ sei, ist extrem gefährlich, weil er damit rechte bis rechtsextreme Positionen befeuert, die letztlich in den bekannten unsäglichen Remigrationsdebatten enden.

Es sind Mansours ständige Dramatisierungen von sich religiös muslimisch bekennenden Jugendlichen, von Kopftuch tragenden Frauen, von ‚Islamisierung’svorwürfen, die das gesellschaftliche Klima vergiften und unsere Gesellschaft spalten.

Antimuslimischer Rassismus ist eine Realität in Deutschland. Täglich werden elf antimuslimische Vorfälle registriert, die sich neben Moscheeangriffen vor allem gegen Frauen richten, die durch ein Kopftuch/Hijab als Musliminnen erkennbar sind. (Siehe taz.de (Link))

Das Thema ‚antimuslimischer Rassismus‘ ist brandaktuell – leider auch immer noch in allen Schulformen.

Dazu gibt es reichlich wissenschaftliche Studien, u. a. betreut von Dr. Iniobong Essien: (Link), ursprünglich aus Bremen.

Antimuslimischer Rassismus trifft unsere muslimischen Nachbarn und Freund*innen – auch in dieser Stadt.

Warum gibt Bremen einem Populisten wie Ahmad Mansour diese politisch bedeutsame Bühne?

Wird ernsthaft erwartet, dass sich seine in der Mehrheitsgesellschaft anschlussfähigen Ansichten durch ein inszeniertes Gespräch korrigieren lassen?
Muss nicht eher befürchtet werden, dass gerade durch die Auszeichnung der Bereitstellung des politisch wichtigsten Zentrums in Bremen eine nicht vertretbare Aufwertung entsteht?

Ja, es bräuchte Streitgespräche – aber bitte nicht in diesem Format.

Es ist nicht zu verantworten, jemandem auch noch die Bühne der Bürgerschaft zu gönnen, der nahezu jede Form des Islam für eine Anbahnung einer  gefährlichen Ideologie hält und damit mehr als 99,5 Prozent der Muslime unter Generalverdacht stellt.

Laut Verfassungsschutzbericht liegt die Zahl der extremistischen Gefährder im muslimisch-fundamentalen Spektrum bei ca. 0,5 Prozent der Gesamtheit der Muslime in Deutschland: Bundesamt für Verfassungsschutz – Islamismus und islamistischer Terrorismus https://share.google/VoTEjGE2WmtzXyGMS.

Es geht dringend um die Bereitschaft zum Zuhören und um POSITIVE Erfahrungen miteinander – und nicht um die Verstetigung allseits bekannter Stereotype.

Dazu müsste aber von vornherein die auserkorene Zielgruppe selbst zu Wort kommen können.
Es gibt in der Community genügend Stimmen, die bestimmte Praktiken und/oder Einstellungen kritisch sehen und differenzierte Stellungnahmen beziehen, ohne alle vor den Kopf zu stoßen.
Mit ihnen gemeinsam weiterzudenken macht Sinn, denn es geht um auch für die muslimische Community sinnstiftende Lösungen.

„Ahmad Mansour kann kein Vorbild sein“, titelt das JACOBIN Magazin (Link) und trifft damit den Kern.

Das geplante Streitgespräch ist ein Kniefall vor der aktuell so eng geführten politischen Debattenkultur.

Es wird kein Streitgespräch, sondern eine Scheindebatte.

Das ist einer weltoffenen Stadt wie Bremen nicht würdig.

Christiane Lenhard

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