Nach einer mündlichen Erzählung aus Ramallah, gehört und bearbeitet von Bernd Fischer
Auf meinem Weg zur Arbeit komme ich heute früh nicht weit, der Stau ist länger als gewohnt. Ja, auch Palästinenser fahren mit dem Auto zur Arbeit, landen im Stau und ärgern sich. Doch sie ärgern sich aus einem Grund, der für Euch in Deutschland unvorstellbar ist: Dieser Stau ist das Ergebnis der alltäglichen Apartheid im Westjordanland.
Ja, ganz genau, ich lebe in der Westbank, in der Gegend von Ramallah. Ich bin Zahnärztin, und wie die meisten Palästinenser muss ich mich bewegen, um zur Arbeit zu kommen. Doch Palästinenser können sich in ihrem Land nicht frei bewegen. Ihre Mobilität wird durch mehr als 1000 von der Armee bewachte Kontrollpunkte behindert oder ganz blockiert, je nach Lust und Laune der Armee, die an diesem Morgen dafür sorgt, dass der israelische Berufsverkehr nicht vom palästinensischen Berufsverkehr gestört wird. Für Fahrzeuge mit palästinensischen Kennzeichen sind die gut ausgebauten Siedlerstraßen gesperrt. Und wenn Palästinenser eine Straße mit ausschließlich israelischer Nutzung überqueren wollen, werden sie von israelischen Soldaten an einem Schlagbaum kontrolliert. Sie müssen warten. Autos mit israelischen Kennzeichen haben Vorfahrt. Warum? Weil sie in Israel zugelassen sind und in einem Land gefahren werden, das den Israelis nicht gehört. Anmaßung? Idiotie? Apartheid? Natürlich, was denn sonst? Aber nur ein kleiner Teil von alledem. Weiterlesen „„Forbidden Roads“ – Apartheid im Westjordanland“
