B’Tselem: „Projekt zur Auslöschung der palästinensischen Gemeinschaft“

Die israelische Menschenrechtsorganisation B’Tselem erhebt schwere Vorwürfe gegen die Regierung in Jerusalem.

The elimination Project – Israel’s Systematic Dismantling of Palestinian Collective Life in the West Bank

Israel betreibe im besetzten Westjordanland ein systematisches «Auslöschungsprojekt», das die Voraussetzungen für ein gemeinsames politisches und gesellschaftliches Leben der Palästinenser zerstören solle. Dies geht aus einem am Montag veröffentlichten Bericht hervor.

Mit «Auslöschung» meint B’Tselem nicht allein die physische Tötung von Menschen, sondern die dauerhafte Zerstörung jener Strukturen, die es den Palästinensern ermöglichten, als Volk mit eigenem Land, Institutionen, Kultur und gesellschaftlichen Beziehungen zu bestehen. Die Organisation nennt fünf miteinander verbundene Instrumente: Gewalt und Einschüchterung, Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, wirtschaftliche Strangulierung, Zerstörung gesellschaftlicher und politischer Strukturen sowie Vertreibung und territoriale Übernahme.
Nach Angaben von B’Tselem wurden seit dem Terrorangriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 im Westjordanland mehr als 1100 Palästinenser durch israelische Soldaten und Siedler getötet. 64 palästinensische Gemeinschaften seien vollständig vertrieben worden. Die Arbeitslosenquote stieg demnach von 13,1 Prozent im Jahr 2022 auf 31,3 Prozent 2024.
B’Tselem führt die Entwicklung unter anderem auf einen 2017 veröffentlichten Plan des heutigen Finanzministers Bezalel Smotrich zurück. Dieser sehe für die Palästinenser Unterordnung, Auswanderung oder gewaltsame Niederschlagung vor. Die Organisation spricht von einer deutlichen Eskalation seit dem Amtsantritt der rechts-religiösen Regierung Ende 2022 und besonders seit Oktober 2023. Eine Stellungnahme der für die Zivilverwaltung im Westjordanland zuständigen israelischen Behörde lag zunächst nicht vor.

Neue Tote in Gaza / Dokumentation „Naza“ in Venedig umjubelt

Al Jazeera berichtet über neue getötete Zivilopfer in Gaza und über die Dokumentation „NAZA“, die sich mit der KI-gestützten massenhaften Ermordung von Zivilisten (als ‚Kollateralschaden‘) beschäftigt und die bei den Filmfestspielen in Venedig um den ‚Goldenen Löwen‘ antritt.

Der englische Guardian hat den Film produziert und berichtet ausführlich: Secret systems used by Israel in mass killings of Gaza civilians revealed in new film

Gideon Levy, die Sanktionen Großbritanniens ändern nichts Wesentliches

Es ist so einfach, wenn man die Regeln kennt: Großbritannien spielt das gleiche alte Sanktionsspiel

Gideon Levy

Alle spielen dieses Spiel mit: Großbritannien verhängt angeblich Sanktionen, etwa ein Dutzend anderer europäischer Länder tun so, als würden sie sich anschließen, und Israel reagiert mit Maßnahmen, die dem Gegenangriff einer Maus auf einen Elefanten gleichen – nur damit wir den Briten mal ein oder zwei Dinge beibringen können. Alle sind mit sich selbst zufrieden. Der Bau von Siedlerhäusern auf gestohlenem palästinensischem Land wird nicht aufhören, ebenso wenig wie der Diebstahl von Vieh, und das trotz der Maßnahmen Großbritanniens, auch wenn sich die Welt über diese Sanktionen freut.

Die neue britische Regierung sagt, dass im Westjordanland ethnische Säuberungen stattfinden, womit sie das erste westliche Land ist, das dies ausspricht. Das gibt Anlass zur Hoffnung und ist ein moralischer Akt. Ein Hoch auf Großbritannien, ohne jede zynische Absicht. Doch Großbritannien hat sich dafür entschieden, nur die Siedler zu bestrafen, was einen gefährlichen Präzedenzfall schafft. Damit sagt es: Es gibt Israel und es gibt Siedler. Es gibt ein Land und es gibt eine Besatzung, es gibt Israelis und es gibt Siedler. Weiterlesen „Gideon Levy, die Sanktionen Großbritanniens ändern nichts Wesentliches“